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Motivational Interviewing

Wie motiviere ich»unmotivierte« Menschen?

Termine:

Workshop 1: 18.06.2027

Workshop 2: 19.06.2027

Einführung

Motivational Interviewing (MI) ist in vielerlei Hinsicht eine Weiterentwicklung klientenzentrierter Psychotherapie – Empathie wird als wesentliche Voraussetzung erfolgreicher Behandlung gesehen – und kann daher zu den humanistischen Verfahren gezählt werden. Das Vorgehen stimmt weitgehend mit den Annahmen sozialpsychologischer Theorien – insbesondere der Theorie der Selbstbestimmung – überein. So wird beispielsweise angenommen, dass die Autonomie der Klienten gefördert werden muss, um Ambivalenz und damit ein Verharren im Status quo zu überwinden. Die Klienten werden nicht „überzeugt“ oder „überredet“ sondern vielmehr zu einem sogenannten Chance-Talk – einem lauten Nachdenken über Veränderung – ermutigt (Möchte ich etwas verändern? Traue ich mir das zu? Warum sollte ich vielleicht etwas verändern? etc.). Insbesondere seit der Veröffentlichung der zweiten Auflage von Motivational Interviewing greifen die Autoren mehr und mehr die Ergebnisse psycholinguistischer Studien auf.

Wie motiviere ich „unmotivierte“ Patienten?

Motivational Interviewing ist ein zugleich direktives und personenzentriertes Behandlungsverfahren, dessen erfolgreiche Anwendung in hohem Maße von der Kompetenz des jeweiligen Therapeuten abhängt: Verzichtet er auf Belehrungen und Vorhaltungen? Reagiert er angemessen auf die Vorbehalte des Patienten? Initiiert und verstärkt er „lautes Nachdenken über Veränderung“ („Change Talk“).

Je mehr Change Talk der Therapeut hört, desto erfolgreicher ist die Behandlung: Patienten, die den Wunsch formulieren, ihr Verhalten zu ändern, ihre Motive benennen können, die Notwendigkeit einer Veränderung erkennen und sich schließlich zu einer Veränderung verpflichten, werden erfolgreicher sein als Patienten, die nicht über eine Veränderung sprechen. Indem der Therapeut ein lautes Nachdenken über Veränderung initiiert, den Change Talk des Patienten widerspiegelt und zugleich den „Sustain Talk“ (Widerstand) abmildert, wird der Patient zum Fürsprecher einer Verhaltensveränderung: Er hört die eigenen Argumente sowohl in seinen Worten als auch in denen des Therapeuten.

Der Therapeut vermeidet Konfrontation und Vorhaltungen, die den Patienten in die Defensive drängen und ihn nötigen, den Status quo – seine „Laster“ oder „schlechten Gewohnheiten“ – zu verteidigen.

Der Referent

Dipl.-Psych. PD Dr. Ralf Demmel ist Diplom-Psychologe und leitender Therapeut der Bodelschwinghschen Stiftung Bethel. In 1999 wurde er vom Motivational Interviewing Network of Trainers (MINT) zertifiziert und hat seither in Europa und den Vereinigten Staaten mehr als 600 Workshops geleitet. Er ist Autor zahlreicher Veröffentlichungen und engagiert sich ehrenamtlich in verschiedenen Gremien des MINT. Seit 2006 hat er auf Einladung des MINT mehrfach internationale Train-the-Trainer-Seminare geleitet.

Workshop-Tag I, 18.06.2027, 9-16:30 Uhr, 8 UE

Workshop-Tag II, 19.06.2027, 9-16:30 Uhr, 8 UE

Für beide Tage gilt der folgende Zeitablauf: 9-10:30 Uhr, 15 min. Pause, 10:45-12:15 Uhr, 60 min. Pause, 13:15-14:45 Uhr, 15 min. Pause, 15-16:30 Uhr

Inhalt

Mit Hilfe von Transkriptanalysen, Auswertungen und Audioaufzeichnungen, Life- und Videodemonstrationen, Paper-and-Pencil-Übungen, Rollenspielen und Self-Assessment werden den Teilnehmenden folgende Inhalte vermittelt:

  • Assessment und Feedback
  • Deeskalation und Reaktion auf Widerstand (Coping with Resistance)
  • Empathie (Reflective Listening: Simple vs. Complex Reflections
  • Eröffnung und Abschluss des Gesprächs (Change Talk, DARN-C etc.)
  • Förderung der Zuversicht (Confidence Talk)
  • Körpersprache und non-verbale Kommunikation
  • OARS (open-ended questions, affirmations, reflective listening, summaries)
  • Theoretische Grundlagen und aktueller Stand der Forschung
  • Ziele und Werte (Value Card Sorting etc.)

Teilnahme

Die Zahl der Teilnehmenden ist auf mindestens 12 und maximal 24 Personen festgesetzt. Fortbildungspunkte über die Landespsychotherapeutenkammer sind beantragt. Zu erwarten sind pro UE jeweils 1 Fortbildungspunkt.

Veranstaltungsort:

Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie (UKGM) der Philipps-Universität Marburg, Rudolf-Bultmann-Str. 8, 35039 Marburg

Anmeldung

Wir freuen uns über Ihre verbindliche Anmeldung per E-Mail, Anmeldeschluss ist der xx.xx.xxxx. roettgers@IVV-Marburg.de. Tel. 06421/9837086

Teilnahmegebühr

Die Kosten für den Workshop (16 UE) betragen 484,- €.

Stornierung

Bei Stornierung bis spätestens 4 Wochen vor der Veranstaltung wird die Gebühr zurückerstattet. Bei Stornierungen nach diesem Zeitpunkt ist keine Rückerstattung möglich.